Bücher und Weine(n), Bedenken, ein toller preisgekrönter Roman und noch manches andere

Das ist ja das Feine am Bloggen: Man kann einfach loslegen und schreiben, was die Synapsen hergeben. Man muss sich nicht um Regeln kümmern, es wird von niemandem bewertet, abgeschätzt und dann womöglich entsorgt, nein, nach dem Verfassen kann es gleich in die Welt hinausgeschickt werden, ohne Rücksicht auf Standards oder andere Verluste. Über mir nur der Himmel, „sky’s the limit“, sozusagen. Das ist sicher auch Teil des Charmes, den Blogs versprühen (zwischen all den nicht redigierten Rechtschreib- und anderen Fehlern), auf Seiten der Produktion wie auch beim Rezipienten.

Und so schreibt man dann geradewegs drauflos und meistens geht das auch ganz gut. Wenn man den richtigen Schwung hat und den Mut und die Lust. Na, und manchmal klappt das dann auch gar nicht. Da hat man dann einen richtigen Rohrkrepierer, der im schlimmsten Fall nicht nur den gerade begonnenen Text behindert und ausbremst, sondern auch alle weitere Produktivität blockiert, sodass man zu gar nichts mehr in der Lage ist (was das Schreiben betrifft). Tja, und so ist es mir auch ergangen vor einem knappen Monat mit dem folgenden Text, der sich um ein gutes Buch herum entwickelt hat und dann auf halbem Weg die Kraft und den Saft verloren hat und mir die Hände auf den Rücken gebunden und den Mund geknebelt und das Gehirn vernebelt hat. Darauf ein Glas Rotwein, gern Cabernet Sauvignon (z.B. aus Rumänien). Und jetzt der Text, damit die Synapsen endlich wieder tanzen können!

Männer haben es schwer. Vor allem in den bisher Frauen vorbehaltenen Lebensbereichen, denn die sind häufig – im Unterschied zu so mancher inzwischen gefallenen männlichen Bastion – auch heute noch Frauen vorbehalten. Dabei geht es gar nicht mal nur um Aspekte, die aus rein biologischer Sicht am und im weiblichen Körper besser aufgehoben sind, wie beispielsweise das Gebären und Stillen von Nachwuchs. Es gibt auch Dinge, die nicht zwangsläufig fest verankert in Frauenhand bleiben müssen und es ist auch überhaupt nicht einzusehen, warum dieser Bereich auch im 21. Jahrhundert noch vom weiblichen Geschlecht dominiert wird.

Anscheinend handelt es sich dabei um ein tief in unserer Gesellschaft verankertes Tabu, das niemand auch nur andeutungsweise zu benennen wagt. Einmal aber muss jemand sich erheben und mit lauter Stimme bekennen, die Mauern der Ignoranz niederreißen, sich mit der geballten Faust gegen die Brust schlagen und erhobenen Hauptes eingestehen: „Ja, auch ich habe es getan! Und ich werde es wieder tun, wahrscheinlich, soviel ist sicher.“

Das ist mir jüngst wieder eingefallen, bei der Lektüre meines letzten Buches. Vom Inhalt her gehörte es nämlich in die Kategorie der unberührbaren Themen. Eigentlich lese ich keine Bücher, die im Zweiten Weltkrieg spielen und/oder in denen Kinder eine Rolle spielen. Oder Waisen oder Behinderte. Na ja, dieses Buch hatte alles davon, eine französische blinde Halbwaise, einen deutschen Vollwaisen mit befremdlichem Aussehen, obendrein Heimkind mit kleiner Schwester. Und die Handlung findet hauptsächlich zum Ende des Zweiten Weltkriegs statt, wo also bereits Zerstörung und Elend und Entsetzen hinter jeder Ecke lauert.

Wenn mir die Augen staubig sind, dann schneide ich eine Zwiebel oder hau mir mit dem Hammer auf den Finger. Aber ich lese verdammt nochmal kein Buch, bei dem ich garantiert von Gefühlen übermannt werde und irgendwann nicht mehr an mich halten kann und einfach nur noch losheulen muss wie ein Schlosshund. Wer macht denn sowas, bitteschön?

Das erste Mal hatte ich bereits vor einiger Zeit von dem Buch gehört, in einem kurzen Facebook-Beitrag einer amerikanischen Freundin. Dort wurde es hochgelobt, ich hatte mich aber nicht angesprochen gefühlt (aus den genannten Gründen). Zwar hat das Buch auch den Pulitzer-Preis erhalten, was mich aber auch nicht sehr interessiert hat.

Na ja, jetzt habe ich es doch gelesen und muss sagen: Ganz großes Kino! Es ist ein tolles Buch, kitschfrei und nicht übermäßig konstruiert. Gute Unterhaltung mit Substanz ist also garantiert. Allein, ich wurde die ganze Zeit den Eindruck nicht los, dass es sich hier um Schullektüre handelt. Als wäre es dafür geschrieben worden. Und womöglich sind die handelnden Personen alle ein wenig zu gut, von einem durchtriebenen Parfümhändler einmal abgesehen, der dafür eben ein wenig zu schlecht ist. Aber das ist vielleicht auch der Stoff, aus dem Schulbücher gemacht sind.

Und auch erst ziemlich am Ende gab es ein paar herzzerreißende Szenen, die aber nicht explizit darauf angelegt sind. Manchmal bleibt es halt nicht aus, so ist das Leben, in der Realität wie im Buch.

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