(#jdtb16) Heimat und Ferne und Zufälle – und schon wieder ein Bergroman (ein toller dazu)

Ich bin ja nur sehr eingeschränkt ein Fan von Bergliteratur (oder wie heißt das Genre, in dem verschrobene, schweigsame Gestalten das echte Leben vorführen, mit Kuhstallgeruch und viel Blut und allem, was eben zum natürlichen Dasein gehört), wie man schon in meinem Eintrag zu Robert Seethalers „Ein ganzes Leben“ feststellen konnte. Auch wenn ich die Storys manchmal fasziniert und die Atmosphäre oft berauschend finde.

Andrerseits bin ich ein Fan von Verschrobenem, also damit dann zwangsläufig auch einer von österreichischer Literatur (wenn man das so einfach formulieren darf, denn die Literatur unseres sympathischen Nachbarn im Südosten ist ja doch wahnsinnig breitgefächert und aufregend, aber eines scheint dann doch das auffälligste Merkmal zu sein: das Verschrobene, Grantelnde, zugleich vor Fantasie Strotzende und damit Umwerfende!). Neulich erst habe ich ein zufällig im Mitnehmregal des Eiscafés meiner Frau entdecktes Buch nach der Lektüre gleich in einen Briefumschlag gesteckt und einem meiner wenigen lesefreudigen Freunde aus Studentenzeit zukommen lassen, der es ebenso freudig goutiert und sich gleich weitere Bände des Autors zur Brust genommen hat.

Und jetzt bin ich wieder mal über ein Buch gestolpert, das mich bei der Lektüre laut auflachen ließ (wer, bitteschön, macht denn sowas!?) und mir auch sonst in jeder Hinsicht große Freude bereitet hat. Und gleichzeitig einen Stich versetzt hat … – Doch – wie heißt es so schön: Eins nach dem andern.

Der Monat April war ein denkwürdiger Monat, in dem ich mich ein Stück weit in die eigene Vergangenheit begeben konnte. Ohne das vorher noch zu wissen oder zu ahnen.

Anfang des Monats, und zwar richtig am Anfang (Aprilapril) hatte ich Gelegenheit zu einem Bummel in der Stadt, in der ich mein drittes Jahrzehnt zugebracht hatte: Bochum, die faszinierende Studentenstadt in direkter Nachbarschaft meines Heimatörtchens (ein längst untergegangener Bindestrich-Ort, den man in der Regel nur scherzhaft erwähnt). Dort nutzte ich die Gelegenheit zu einem Zwischenstopp in meiner langjährigen Leib-und-Magen-Buchhandlung, wo mir der Juniorchef auch gleich von der Leiter aus zuwinkte. Diese eher kleine Buchhandlung ist auch heute noch ein Wunderhorn unerschöpflicher Literaturtipps und -vorschläge, womit keine Thalia-, Hugendubel- oder andersgenannte Großbuchhandlung mithalten kann.

Da ich leidenschaftlicher Teilnehmer des #djtb16 bin (Jahr des Taschenbuchs 2016) und ich für den Monat April noch kein Buch hatte (wie gesagt, es war ja auch erst der 1. Aprilapril), stellte ich den Juniorchef auf die Probe und bat um Empfehlungen. Er legte mir Vea Kaisers „Blasmusikpop“ ans Herz und in die Hand und ich nahm das Angebot an.

Zum Lesen kam ich dann leider erst einmal nicht, sondern musste stattdessen relativ spontan in die Stadt, in der ich mein viertes Jahrzehnt verbracht hatte: Sibiu/Hermannstadt in Rumänien. Vea Kaiser packte ich nicht ein in mein mit acht Kilogramm knapp bemessenes Handgepäck (auch der Pyjama blieb daheim). Dort angekommen musste ich natürlich dem Ort meiner ehemaligen Verbrechen einen Besuch abstatten und die KollegInnen vom dortigen Lehrstuhl für Germanistik an der Universität in die Arme schließen. Während ich auf dem Flur stand und die Pause erwartete, stellte ich fest, dass ebendiese Vea Kaiser am darauffolgenden Tag eine Lesung im Österreich-Lektorat abhalten würde. Weil ich aber nun das Buch nicht gelesen und mir Fotos der Autorin nicht angeschaut hatte und überdies eingespannt genug war in der knappen Woche mit Freundesbesuchen und Abendessen und Treffen und Gesprächen und Begegnungen, kurz, ich ließ die Lesung sausen und aß lieber Krautwickel mit Polenta (Mamaliga, wie der Rumäne, Palukes, wie der rumänische Präsident sagt) bei lieben Freunden (einer ehemaligen Trauzeugin von mir und ihrem Mann).

Tja, und jetzt kommt die Sache mit dem Schmerz: Blasmusikpop ist ein verdammt witziges Buch, das in den österreichischen Alpen spielt und eine Menge fabelhafter Ideen in sich trägt, die Lachtränen provozieren, ob man will oder nicht. Die Autorin Vea Kaiser allerdings ist für ihr Buch eindeutig viel zu jung und zu hübsch, man mag es gar nicht glauben, dass es von ihr ist. Wenn ich ihr Bild vorher gesehen hätte, dann hätte ich mir das Buch wahrscheinlich nicht gekauft, wäre aber ganz bestimmt zu ihrer Lesung gegangen. Ich habe es gelesen, das Bild gesehen und mich doppelt und dreifach geärgert. Aber eigentlich nur ein bisschen, denn den Spaß beim Lesen hatte ich ohnehin!

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