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Lakonien ist in Griechenland – doch der Großmeister lebt in den USA

Wenn man vierundvierzig ist und ein sarkastischer Bastard, dann wird man mit achtundsechzig entweder zum Glauben gefunden haben und lammfromm, lieb und langweilig sein, oder man wird zum Großmeister des lakonischen Kommentierens. Meine Damen und Herren, wir präsentieren den voll ausgereiften Frank Bascombe.

Nachdem ich zuletzt – versehentlich – den Pulitzerpreistitel „Unabhängigkeitstag“ von Richard Ford gelesen und lieben gelernt hatte, war ich ausreichend angefixt, mir auch die neuste Veröffentlichung dieses Autors vor die Lesebrille zu stellen: „Frank“, frisch erschienen und vom Umfang nur ein Drittel des erstgenannten Buches. Frank ist jetzt schon länger verheiratet – mit der Frau, die im Unabhängigkeitstag seine Freundin ist, wobei sie da eher den Status der On-and-Off-Freundin hatte – und genießt das Leben als Rentner. Er hat Begegnungen mit Menschen auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit oder direkt aus seiner Vergangenheit. Das ist eins der großen Themen, der Tod ein anderes. So räumt er freundestechnisch in seinem Leben auf und „trennt“ sich von unnötigem Ballast (was er übrigens auch bei seinem Vokabular macht und eine große Anzahl unanständiger Ausdrücke ausmustert). Denn: „Wenn man alt wird, (…) lebt man sowieso weitgehend inmitten der Anhäufungen seines Lebens. Es passiert nicht mehr viel, außer an der medizinischen Front. Da empfehle ich Rückbau.“

Außerdem macht er sich so seine Gedanken über das Leben, den Alltag und andere Dinge: „Wenn man wüsste, was genau Frauen attraktiv macht, wäre alles ganz, ganz anders.“ Wer kann dem nicht zustimmen?

Am Ende hat er ein Gespräch mit dem schwarzen Öllieferanten eines alten Freundes, den er auf der Straße trifft. Der berichtet ihm, dass er jetzt spanisch lernt, da in seiner Gemeinde so viele Menschen sind, die kein Englisch können. Und mit dem Gespräch ist der Tag gerettet, wie er feststellt. Und das Buch zu Ende. Und ich habe jetzt gespoilert, oder? Dabei gibt es in diesem Buch nichts zu verraten, denn es gibt nichts aufzudecken. Außer: Das Leben ist schön, auch wenn nicht viel passiert! Für alle, die es nicht gewusst haben.